Bildungsevent „Exit Fast Fashion“
Jugendliche erleben die Realität der globalen Modeindustrie
Wie entsteht unsere Kleidung – und welche Auswirkungen hat das globale Modesystem auf Mensch und Umwelt? Mit diesen Fragen beschäftigten sich am 22. Juli rund 120 Schüler*innen aus sechs Schulen beim Bildungsevent „Exit Fast Fashion“ im Karlstorbahnhof Heidelberg.
Im Mittelpunkt des Aktionstags stand das eigene Erleben: In einer Fabrik-Simulation schlüpften die Jugendlichen in die Rolle von Textilarbeiter*innen. Unter Zeitdruck produzierten sie Jeanshosen im Akkord und erfuhren, wie monotone Arbeit, hoher Leistungsdruck und enge Produktionsvorgaben den Arbeitsalltag in der globalen Textilindustrie prägen können. Was in der Realität neun bis elf Stunden dauert, wurde in der Simulation auf elf Minuten verdichtet.
Nach der simulierten Schicht erhielten die Schülerinnen einen fiktiven Lohn. Nach Abzügen für Miete und Gesundheitsversorgung blieb beim Einkauf auf einem Markt nur wenig Geld für Lebensmittel übrig. Die Simulation machte deutlich, wie eng der finanzielle Spielraum vieler Textilarbeiterinnen trotz harter Arbeit ist.
„Als ich dann am Markt stand und gesehen habe, was ich mit meinem Geld noch kaufen kann, war das eigentlich gar nichts mehr.“
Alena Hildebrand, Schülerin
Ein Film-Screening über die Textilproduktion in Kambodscha vertiefte die Eindrücke aus der Simulation und stellte den Bezug zu den realen Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten her.
Beim anschließenden Markt der Handlungsmöglichkeiten lernten die Jugendlichen konkrete Alternativen zum Fast-Fashion-System kennen. Kleidertausch, Upcycling und Informationsstände zeigten auf, wie bewusster Konsum, faire Mode und gesellschaftliches Engagement zu einem nachhaltigeren Modesystem beitragen können.
Ein besonderes Highlight war die faire Modenschau der Fairtrade-AG des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums Mannheim. Die Schüler*innen präsentierten selbst entworfene Kleidungsstücke und zeigten, wie Kreativität, Fairness und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden können. Unser besonderer Dank gilt allen beteiligten Schüler*innen sowie Anja Stephan und Jeanette Homenu, die die Modenschau pädagogisch begleitet haben.
Mit „Exit Fast Fashion“ verfolgt das Globale Klassenzimmer das Ziel, globale Zusammenhänge erfahrbar zu machen und Perspektivwechsel zu ermöglichen. Die Jugendlichen setzen sich mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen unseres Kleidungskonsums auseinander und lernen, welche Handlungsmöglichkeiten ihnen offenstehen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Bewertung individuellen Konsums, sondern die Stärkung von Empathiefähigkeit, Urteilsfähigkeit, Verantwortung und Gestaltungskompetenz.
Besonders gefreut hat uns die positive Rückmeldung der Lehrkräfte. Sie hoben die hohe Motivation der Schüler*innen, die gelungene Verbindung von Erlebnis und Wissensvermittlung sowie die praxisnahen Methoden hervor. Die Jugendlichen waren von der Fabrik-Simulation beeindruckt, insbesondere von der Erfahrung, mit einem geringen Lohn den Alltag bestreiten zu müssen.
„Exit Fast Fashion“ fand als Satellitenveranstaltung der Fashion Revolution Weeks Heidelberg statt und wurde vom Globalen Klassenzimmer des Eine-Welt-Zentrums Heidelberg e.V. organisiert. Wir freuen uns, dass der SWR online über unser Bildungsevent berichtet hat!
- Globales Klassenzimmer: Recap: Exit Fast Fashion 2026
- SWR Aktuell Online: Heidelberg: Jugendliche schlüpfen für einen Tag in die Rolle von Textilarbeitern
- SWR Aktuell Instagram: POV: Fast Fashion Produktion